Taktik

Wie du in einem match mit gezielter aufschlagplatzierung öfter den zweiten punkt gewinnst

Wie du in einem match mit gezielter aufschlagplatzierung öfter den zweiten punkt gewinnst

Die Aufschlagplatzierung ist für mich einer der unterschätztesten Hebel im Match. Wenn du deine Aufschläge nicht nur kraftvoll, sondern gezielt einsetzt, gewinnst du nicht nur häufiger den ersten Punkt – du ebnest dir vor allem den Weg, öfter den zweiten Punkt zu machen, also das darauf folgende Returnspiel kontrolliert zu beenden. In diesem Text teile ich praxisnahe Ideen, Trainingsübungen und taktische Gedankengänge, die dir helfen, mit gezielter Aufschlagplatzierung öfter den zweiten Punkt zu gewinnen.

Warum die Platzierung wichtiger ist als pure Power

Viele Spielerinnen und Spieler glauben, ein schneller Aufschlag sei der Schlüssel. Ich sehe das differenzierter: Tempo hilft, aber ohne Platzierung nimmt der Returner das Risiko meist an. Zielgenaue Aufschläge erzeugen direkte Schwächen – etwa einen schlechten Returnwinkel, eine Ballannahme zu weit hinter der Grundlinie oder einen Return, der kaum Druck aufbauen kann.

Wesentliche Effekte gezielter Platzierung:

  • Der Returner wird gezwungen, auf bestimmte Felder zu reagieren (auf die T-Linie, kurz neben die Körpermitte, weit außen).
  • Du bestimmst, ob der Return aggressiv oder defensiv ist – und damit oft, ob du den nächsten Punkt aktiv gestalten kannst.
  • Gezielte Platzierungen ermöglichen dir direkte Kombinationen (z. B. Wide-Serve + Volley-Pressing oder Body-Serve + Netzannahmeunfähigkeit).
  • Welche Platzierungen bringen den zweiten Punkt?

    Im Grunde gibt es drei klassische Platzierungen mit leicht unterschiedlichen Outcomes:

  • Wide-Serve (außen): Macht den Returner weit laufen, öffnet die Mitte für den nächsten Schlag. Besonders effektiv gegen ein-händige Rückhandspieler oder gegen Spieler, die zur Mitte zurückziehen müssen.
  • T-Serve (in die Mitte, an die T-Linie): Erzwingt einen flachen, oft geraden Return. Damit legst du den Weg für einen aggressiven Vorhand- oder Rückhand-Angriff frei – ideal für Spieler mit gutem Aufschlag-Return-Spiel.
  • Body-Serve (auf den Körper): Zwingt Returner zu einem verkürzten oder schlecht getroffenen Return. Sehr nützlich, um direkte Fehler zu provozieren oder schwächere Returns zu bekommen, die du angreifen kannst.
  • Wie ich das Return-Verhalten lese und antworte

    Im Match beobachte ich zuerst: Wo steht der Returner? Wie ist seine Grundstellung – weit hinter der Linie, nahe der Linie, etwas zur Mitte gewinkelt? Daraus leite ich ab, welche Platzierung am meisten Wirkung zeigt.

    Ein paar Faustregeln, die ich nutze:

  • Steht der Returner weit hinter der Grundlinie → kürzere, punktgenaue Aufschläge (T-Serve oder Body) um die Zeit für ein aggressives Return zu nehmen.
  • Rückt der Returner nach innen → Wide-Serve ist effizient, da die Winkel größer werden.
  • Hat der Returner eine schwache Rückhand → gezielte Attacke auf diese Seite, auch wenn es bedeutet, ab und zu ein Risiko auf der Vorhand einzugehen.
  • Training: Drills zur Aufschlagplatzierung

    Ohne systematisches Training bleibt die Idee bloß schön. Ich arbeite gerne mit diesen Drills:

  • Zielkreise aufbauen: Stelle Tassen, Cones oder kleine Markierungen in den Zielzonen (T, außen, Körper). Ziel ist: 10 trifft in Folge pro Zone. Fokus auf Konsistenz statt auf Power.
  • Return-Simulation mit Variationen: Ein Partner spielt Return-Simulationen (kurz, tief, slice). Du musst auf die jeweilige Rückgabe reagieren und anschließend den zweiten Schlag gewinnen. Das schult das Lesen und danach das Finden der passenden Platzierungen.
  • Sequenz-Drill (3-Aufschlag-Serie): Aufschlag 1: Wide. Aufschlag 2: Body. Aufschlag 3: T. So zwingst du dich, Abwechslung zu trainieren und die Kombinationen einzubauen.
  • Matchsituationstraining: Spiele kurze Sätze, aber mit Regel: Aufschlag muss zu 70% in die gedachten Zonen kommen und du versuchst, den zweiten Punkt aktiv zu gestalten. Punkteanalyse danach: Welche Platzierung hat die meisten günstigen Situationen erzeugt?
  • Technik-Tipps: So platzierst du besser

    Platzierung ist nicht nur Ziel, sondern Technik. Kleine Anpassungen machen große Unterschiede.

  • Ballwurf anpassen: Für einen Wide-Serve richte den Ballwurf minimal nach außen aus. Für T-Serves wirf etwas in Richtung des Kopfes, aber kontrolliert.
  • Schulteröffnung: Bei Wide-Serves öffne die Hüfte und Schulter etwas mehr, so erreichst du bessere Winkel.
  • Kick- vs. Flachaufschlag: Nutze Kick-Serves, um Rückläufer hoch und defensiv zu machen; flache Aufschläge für direkte Winkel und Tempo.
  • Routinen: Entwickle eine Pre-Serve-Routine, die dir hilft, den Wurf konsistent in die gewünschte Zone zu bringen.
  • Psychologie und Gameplan

    Platzierung ist auch ein mentales Spiel: Wenn du dem Returner die Wahl nimmst, setzt du ihn unter Druck. Ich empfehle, den Gegner zu „programmieren“ — also wiederholt dieselbe Platzierung, um eine Erwartung aufzubauen, und dann plötzlich zu wechseln, um die Belohnung zu ernten.

  • Beginne mit einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit (z. B. Body-Serve in den ersten Aufschlagspielen), dann wechsle zu mehr Risk-Serves, wenn der Returner beginnt, vorher zu spekulieren.
  • Nutze den Score: Bei Break-Points oder in engen Momenten können konservative, sehr platzierte Aufschläge (weniger Power, mehr Zielgenauigkeit) oft zuverlässiger sein.
  • Fehler, die ich oft sehe — und wie du sie vermeidest

    Ein häufiger Fehler ist, zu viel auf Power zu setzen und dabei die Zielzone zu opfern. Ein weiterer: Ein zu stereotypes Muster, das der Returner antizipiert. Schließlich: schlechte Variation – immer nur außen servieren wird mit der Zeit wenig Wirkung zeigen.

  • Vermeide Monotonie: Mindestens zwei verschiedene Aufschlagmuster pro Spiel verwenden.
  • Trainiere den zweiten Schlag gezielt: Oft gewinnt nicht der Aufschlag, sondern die darauffolgende aggressive Antwort den Punkt.
  • Beispiele aus dem Profi-Spiel

    Wenn ich mir Topspieler ansehe – Roger Federer, Novak Djokovic, Iga Świątek – fällt auf, dass sie nicht zwangsläufig die härtesten Aufschläge haben, aber sie treffen kontinuierlich die richtigen Zonen. Federer setzte oft auf den Wide-Serve, um die Vorhandseite zu öffnen; Djokovic nutzt Variation und Körper-Serves, um flache Returns zu provozieren. Das ist das Prinzip, das ich auch im Clubtraining einbaue: Intelligenz vor roher Gewalt.

    PlatzierungPrimärer EffektBeste Antwort
    WideÖffnet Mitte, bewegt GegnerAngriff in die Mitte/Inside-Out
    TFlacher Return, KontrolleDirekter Winner oder Stopp zum Netz
    BodyFehlreturn/kurzer ReturnAngriff auf kurze Bälle

    Wenn du möchtest, kann ich dir eine Trainingswoche zusammenstellen, die genau auf deine Aufschlagstärke und -schwächen angepasst ist. Oder ich analysiere ein Videoclip von deinem Aufschlag und gebe konkrete Korrekturen. Schreib mir über die Kontaktseite von Atp-turnier – ich antworte gern mit konkreten, umsetzbaren Vorschlägen.

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