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Wie du die bespannung deines schlägers so anpasst, dass du mehr kontrollierte power ohne spinverlust bekommst

Wie du die bespannung deines schlägers so anpasst, dass du mehr kontrollierte power ohne spinverlust bekommst

Wenn ich Spielerinnen oder Spieler frage, was sie an ihrem Spiel ändern würden, höre ich oft: „Mehr Power, aber bitte ohne Spinverlust.“ Das ist ein Wunsch, der technisch nicht trivial ist, denn Power und Spin hängen stark von der Bespannung ab. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie du die Bespannung deines Schlägers so anpassen kannst, dass du kontrollierte Power gewinnst, ohne auf Spin verzichten zu müssen. Ich schreibe aus Erfahrung mit verschiedenen Membranen (Polyester, Multifilament, Hybride) und aus Gesprächen mit Trainern und Pro-Spielern.

Wie Bespannung Power und Spin beeinflusst

Kurz gesagt: Die Saite ist das Verbindungsstück zwischen deinem Schwung und dem Ball. Spannung, Material, Durchmesser und das Muster beeinflussen, wie der Ball abspringt und wieviel Reibung (also Spin) erzeugt wird. Höhere Spannung = mehr Kontrolle, weniger Power. Niedrigere Spannung = mehr Power, potenziell weniger Kontrolle. Material und Oberflächenstruktur bestimmen, wie stark der Ball „greift“ und damit wieviel Spin du generierst.

Die wichtigsten Stellschrauben

  • Spannung: Veränderung um 2–3 kg kann signifikant spürbar sein.
  • Saitentyp: Polyester (steif, spinfreundlich), Multifilament (komfortabel, kraftschonend), Fasern und Coatings beeinflussen das Gefühl.
  • Gauges/Durchmesser: Dünnere Saiten bringen mehr Spin, dickere Saiten mehr Haltbarkeit und oft stabilere Power.
  • Hybridbespannung: Kombination von zwei Saitentypen für Kompromiss zwischen Power, Kontrolle und Spin.
  • Saitenmuster des Schlägers: Offeneres Muster (z. B. 16x19) unterstützt Spin, dichtes Muster (z. B. 18x20) bietet mehr Kontrolle.

Mein Ansatz: kontrollierte Power ohne Spinverlust

Ich arbeite meist in drei Schritten:

  • Analyse deines Spiels: Schlagtempo, Spinbedürfnis (Topspin vs Slice), Empfindlichkeit gegenüber Komfort/Arm.
  • Auswahl der Saite(n) und Spannung: gezielt anpassen, nicht radikal verändern.
  • Testphase: mindestens 1–2 Trainingsstunden, dann Optimierung.

Welche Saitenkombinationen funktionieren gut?

Aus eigener Erfahrung sind hybride Bespannungen oft die beste Lösung, wenn du mehr Power willst, aber den Spin behalten möchtest. Ein Beispiel, das ich oft empfehle:

  • Vertikal (Mains): dünne, spinfreundliche Polyester-Saite wie Luxilon ALU Power 1.25 oder Babolat RPM Blast. Diese sorgen für Ballgrip und Spin.
  • Horizontal (Crosses): weicheres Multifilament wie Tecnifibre X-One Biphase oder Wilson NXT. Das gibt mehr Catapult-Effekt (mehr kontrollierte Power) und angenehmeres Spielgefühl.

Die Kombination lässt die Mains den Spin erzeugen, während die Crosses die Energie zurückgeben — ohne übermäßige Härte.

Spannungsempfehlungen (Richtwerte)

SpielerprofilHybride (Mains/ Crosses)VollpolyesterVollmultifilament
Clubspieler (Allround)23–25 kg / 21–23 kg24–26 kg21–23 kg
Turnierspieler (mehr Kontrolle)25–27 kg / 23–25 kg26–28 kg23–25 kg
Offensivspieler (viel Spin)22–24 kg / 20–22 kg23–25 kg20–22 kg

Diese Werte sind Startpunkte. Ich empfehle, in 1–2-kg-Schritten zu testen. Beachte außerdem die Herstellerangaben deines Schlägers: Überdehne nicht.

Warum nicht einfach die Spannung senken?

Viele denken, niedrigere Spannung = mehr Power, also Problem gelöst. In der Praxis verliert man dadurch oft Kontrolle und manchmal auch Spin, weil die Saite zu „schnell“ federt. Ziel ist nicht nur maximale Power, sondern kontrollierte Power: Der Ball soll schneller werden, ohne dass die Platzierung leidet. Hybride oder angepasste Spannungen bieten meist besseren Kompromiss als nur Spannung reduzieren.

Gauges und Oberflächen für mehr Spin

Wenn du deinen Spin nicht verlieren willst, achte auf:

  • dünnere Mains (1.20–1.25 mm) für mehr Biss
  • texturierte oder geriffelte Polyester-Saiten (z. B. RPM Blast) für bessere Ballrotation
  • coated Multifilaments, die Langlebigkeit und Power geben

Beispiele aus der Praxis

Ein Spieler, den ich betreut habe, wollte mehr Länge und Explosivität beim Vorhand-Topspin, ohne seine Sicherheit zu verlieren. Wir haben von einer Vollpolyester-1.25 bei 25 kg zu einer Hybrid-Bespannung gewechselt: RPM Blast 1.25 in den Mains bei 24 kg und Wilson NXT 1.30 in den Crosses bei 22 kg. Ergebnis: spürbar mehr Ballbeschleunigung und weiterhin starker Spin. Die Kontrolle verbesserte sich dank der weicheren Crosses, die als „Feder“ dienten.

Fehler, die du vermeiden solltest

  • Radikale Spannungswechsel nach nur einem Test – gib dir Zeit.
  • Nur auf Haltbarkeit schauen – harte Polyesters sparen Kosten, können aber dein Spielgefühl und deinen Arm belasten.
  • Malschen zwischen zu vielen verschiedenen Sets – bleib 2–3 Bespannungsvarianten treu, damit dein Körper und Timing sich anpassen können.

Pflege und Bespannungsintervalle

Eine Saite altert nicht nur bei Bruch. Elastizitätsverlust (Deadness) reduziert Spin und Power-Kontrolle. Ich empfehle:

  • Clubspieler: alle 3–4 Monate oder nach 40–50 Spielstunden
  • Turnierspieler: jede 1–3 Wochen je nach Spielumfang
  • bei harten Polyesters öfter neu bespannen, weil sie Spannung schneller verlieren

Wie du testest (einfaches Protokoll)

  • Wähle zwei Varianten (z. B. deine aktuelle Bespannung vs. vorgeschlagene Hybrid).
  • Spiele 1–2 komplette Trainingseinheiten mit jeder Variante.
  • Notiere Länge, Spingefühl, Komfort (Arm/Hand), Präzision auf einer Skala von 1–10.
  • Justiere Spannung um 1 kg, wenn nötig, und wiederhole.

Wenn du willst, kann ich dir helfen, ein individuelles Testprotokoll zu erstellen — nenne mir dein aktuelles Material, deine typische Spielweise und ich schlage eine konkrete Bespannung samt Spannungsbereich vor.

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