Als Linkshänderin habe ich im Laufe meiner Tätigkeit als Journalistin und Analystin immer wieder beobachtet: Ein gezielt gespielter Aufschlag und ein konsequent durchdachter Return können einen rechten Gegner nachhaltig aus dem Rhythmus bringen. In diesem Beitrag teile ich persönliche Erfahrungen, taktische Muster und konkrete Übungen, die auch Trainer und ambitionierte Spieler sofort in der Praxis anwenden können.
Warum Linkshänder einen natürlichen Vorteil haben
Linkshänder erzeugen automatisch andere Winkel und Spins, die für viele rechte Spieler ungewohnt sind. Besonders der Slice-Aufschlag auf die Rückhand wirkt oft wie eine Waffe, weil die Bälle wegdrehen und tiefer abspringen. Ich beobachte regelmäßig, dass rechte Spieler auf diese Richtung weniger stabil reagieren – insbesondere, wenn der Ball konstant auf die Rückhand wiederholt wird oder mit Variation in die Vorhand gespielt wird.
Wichtig ist: Dieser Vorteil entsteht nicht von selbst. Du musst ihn systematisch nutzen, variieren und mental beim Gegner verankern. Dann erzeugst du Frust, Fehler und freie Punkte.
Grundprinzipien für Aufschlagmuster
Meine Aufschlagmuster basieren auf drei einfachen Prinzipien:
Winkel nutzen: Auf die Rückhand des Rechtshänders mit Slice. Der Ball läuft weg, der Gegner wird gezwungen, aus einer ungünstigen Position zu spielen.Variation: Wechsel zwischen Slice, Kick und flachem Aufschlag, um Vorhersehbarkeit zu verhindern.Platzierung: Kurz, lang, Körper – wenn du die Platzierung konsequent wechselst, steigt die Fehlerquote beim Return.Ein typisches Muster, das ich oft empfehle:
1. Punktbeginn: Slice auf die Rückhand (an die T-Linie oder weit außen), um eine schwächere, passivierende Rückhand-Position zu erzeugen.2. Follow-up: Wenn der Return schwach ist, zum Körper gehen oder eine tiefe Vorhand mit Topspin aufs Grundlinie zwingen.3. Optionaler Serve-and-Volley oder kurz folgen, wenn der Return weit nach außen abgewehrt wurde.Konkrete Aufschlagkombinationen
Diese Kombinationen setze ich in Matches und im Training ein:
Out-Slice + Körper-Slice: Erster Aufschlag weit außen (out), zweiter Aufschlag auf den Körper – erzeugt Frust beim Return und viele leichte Returns ins Netz.Kick in die Vorhand + kurze Rückhand-Angriff: Der Kick zwingt oft eine kurze, hohe Rückhand, die du mit einer Vorhand-Angriffsaktion bestrafen kannst.Flach ins Rückhand-Eck + schnelle Vorhand inside-out: Richtig platziert kann der flache Aufschlag die Rückhand komplett aus der Position bringen; das nächste Schlag kommt hart in die Vorhand.Returnmuster für Linkshänder gegen Rechte
Beim Return ist das Ziel, entweder den Gegner aus der Komfortzone zu bringen oder sofort die Initiative zu übernehmen. Als Linkshänder nutze ich folgende Ansätze:
Return tief zur Vorhand: Viele rechte Spieler sind im Rückhand-gegen-Vorhand-Wechsel weniger stabil – ein tiefer Return zur Vorhand öffnet das Feld.Seitenwechsel mit Slice: Ein kurzer Slice-Return auf die Vorhand-Seite des Aufschlägers kann überraschend wirkungsvoll sein, besonders gegen aggressive Aufschläge.Block-Return an den Körper: Gegen schnelle Aufschläge blocke ich oft zurück an den Körper des Aufschlägers; das erzeugt unangenehme Bälle und verhindert Stationieren für den nächsten Schlag.Drills, die du sofort ins Training einbaust
Ich liebe Übungen, die Matchsituationen simulieren. Hier drei meiner Lieblings-Drills:
Drill 1 – Slice-Serien auf die Rückhand: Spieler A (Linkshänder) serviert 10x in Serie auf die Rückhand des rechte Gegners. Ziel: der Return soll entweder kurz oder weit nach außen gehen. Variation: nach jedem Aufschlag ein Punktspiel bis 3 Ballkontakte.Drill 2 – Return-Druck: Rechte Seite spielt flache Aufschläge; Linkshänder übt Returns tief in die Vorhand und direktes Nachrücken ins Zentrum. Fokus: Tempo und Platzierung.Drill 3 – Matchsimulation mit Variation: 6:0-Format, in dem der Linkshänder bei jeder zweiten Aufschlag-Sequenz zwingend die Rückhand anvisieren muss. Ziel: mentale Konditionierung des Gegners.Technische Feinheiten: Spin, Griff und Position
Einige technische Details, die ich immer überprüfe:
Griff: Viele Linkshänder profitieren vom Semi-Western oder leichteren Eastern-Griff, um Slice und Kick sauber zu kombinieren.Aufschlagtechnik: Ein flacher Slice aus dem Hochschwung mit offener Schulter öffnet mehr Winkel. Achte auf Pronationsarbeit, auch als Linkshänder.Fußarbeit: Stelle dich leicht nach außen zur Aufschlaglinie, um den Winkel zu maximieren. Beim Return bleibe auf den Zehen, bereit für Richtungswechsel.Mentale Taktik: Rhythmus verlieren lassen
Oft unterschätzt: die mentale Komponente. Ich setze auf Geduld und kleine Provokationen:
Tempowechsel: Wiederhole ein Muster mehrere Male, dann plötzlich einen schnellen Flachaufschlag. Das bricht Timing.Variation in der Länge: Wechsel zwischen kurz und lang – zwingt den Gegner ständig zum Umstellen der Fußarbeit.Signalwirkung: Wenn du einige Returns konstant zur Rückhand spielst, entsteht beim Gegner eine Erwartung. Nutze sie, um dann unerwartet in die Vorhand zu gehen und ihn zu überraschen.Ausrüstungstipps
Die richtige Ausrüstung kann helfen, deine Muster effizienter umzusetzen:
Saiten: Für mehr Spin und Kontrolle empfehle ich hybriden Bespannungen oder Saiten mit griffiger Oberfläche (z. B. Babolat RPM Blast oder Tecnifibre Razor Code).Schläger: Ein Kopfbetonter Schläger wie manche Modelle von Wilson oder Head unterstützt Slice-Aufschläge, ohne die Kontrolle zu verlieren.Grip: Sauberer Griffwechsel zwischen Aufschlag- und Grundschlaggriff sorgt für Konstanz. Eine starke Overgrip (z. B. aus der Yonex- oder Wilson-Linie) verhindert Verrutschen bei feuchten Bedingungen.Analyse und Anpassung während dem Match
Ich empfehle, während des Matches Daten zu sammeln: Wie oft erreicht der Return deine Rückhand? Wie reagiert der Gegner auf Kick- vs. Slice-Serves? Diese Beobachtungen helfen, deine Strategie zu schärfen.
| Situation | Empfohlene Aktion | Ziel |
| Rechter Gegner trifft schwache Rückhand | Konstanter Slice in die Rückhand | Fehler erzwingen / kurze Returns provozieren |
| Guter Returner auf Vorhand | Wechsel auf Körper oder flach in die Vorhand | Vorhand neutralisieren, Rhythmus brechen |
| Return sehr aggressiv | Serve-and-Volley oder Follow-up aufs Netz | Druck erhöhen, weniger Grundlinienduelle |
Als Linkshänder kannst du den Rhythmus eines rechten Spielers regelmäßig stören – wenn du bewusst, variabel und geduldig agierst. Probiere die Muster im Training, passe sie an deinen Stil und an den Gegner an und beobachte, wie oft du einfache Punkte erzwingst oder den Gegner zu unforced errors zwingst.